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Was in den Kontext darf

Sprachmodelle antworten überzeugend auch aus unvollständigem oder überholtem Material. KritiGraph setzt deshalb nicht auf mehr Kontext, sondern auf kontrollierten Kontext.

Zwei Fragen, die meist zu einer verschmelzen

Ein übliches RAG-System beantwortet eine Frage: Was ist für diese Anfrage relevant? Das ist nützlich und reicht nicht, sobald das Material vertraulich, reguliert oder fachlich datiert ist.

KritiGraph trennt eine zweite Frage ab und beantwortet sie eigenständig: Was ist hier zulässig? Retrieval entscheidet über Relevanz, die Governance-Schicht über Zulässigkeit. Erst danach erreicht Inhalt ein Modell.

Vier Wissensquellen — und eine davon ist das Modell

KritiGraph unterscheidet Wissen nach der Frage, wem es gehört: Fachwissen, das keiner einzelnen Organisation gehört; Organisationswissen; Projektwissen, das in seinem Mandat oder Fall bleibt. Die Einordnung folgt dem Eigentum, nicht dem Fachgebiet — Fachwissen, das mit vertraulichen internen Informationen angereichert wurde, wird Organisationswissen.

Die vierte Quelle ist das Sprachmodell selbst. Es liefert Sprachfähigkeit und allgemeines Schließen, ist aber keine autoritative Wissensquelle: Es erhält ausschließlich das Wissen, das die Governance-Schicht freigibt. Deshalb bleibt das Modell austauschbar, ohne dass sich die Zusagen ändern.

Daraus folgt eine Eigenschaft, die Technologiewechsel überdauert: Der Speicherort begründet keine Autorität. Wer über ein Wissensstück bestimmt, ist ausdrücklich festgelegt und ändert sich nicht dadurch, dass sich Index, Suchverfahren oder Datenbank ändern.

Geteiltes Wissen wird referenziert, nicht kopiert

Ein Projekt darf ein freigegebenes Wissensartefakt verwenden. Es erhält dadurch nicht die Autorität, dessen Identität, Herkunft oder Geltung neu auszulegen: Die projektspezifische Freigabe steuert die Verwendung, sie schreibt das Artefakt nicht um.

Ohne diese Trennung könnte eine lokale Einstellung verändern, was geteiltes Wissen aussagt — und es fiele niemandem auf.

Herkunft ist Teil der Antwort

Wissensartefakte haben eine stabile Kennung und eine Version. Retrieval- und Governance-Entscheidungen führen Referenzen auf die beteiligten Quellen mit; Governance-Decision-Records halten fest, was geprüft wurde, bevor die Wirkung eintrat.

Das Ziel ist mehr als eine Fußnote. Eine Zitation zeigt, wo ein Satz steht. Herkunft soll darüber hinaus belegen, welche Quellversion verwendet wurde, wie sie in den Vorgang kam und unter welchen Bedingungen sie zugelassen wurde. Die Leitfrage lautet: Lässt sich rekonstruieren, warum diese Information diese Antwort beeinflussen durfte?

Und die Grenze dazu gehört dazu: Belegbare Herkunft ist keine Aussage über fachliche Gültigkeit, Aktualität oder Richtigkeit. Ein Dokument kann lückenlos belegbar und inhaltlich überholt sein. Die Zeitachse ist eine eigene Frage.

Zusammenführen senkt keine Schutzstufe

Wenn Inhalte aus mehreren Quellen zu einer Antwort zusammenfließen, gilt eine ausdrückliche Regel: Die Zusammenführung kombiniert abgerufenen Kontext, sie verändert keine Governance-Entscheidung. Die Schutzstufe einer Antwort liegt nie unter der höchsten beteiligten Quelle.

Damit ist der Weg geschlossen, auf dem in kombinierenden Systemen sonst Vertraulichkeitsstufen leise verschwinden: durch Zusammenfassen.

Im Zweifel zurückhaltend

KritiGraph zieht ein ausdrückliches „das lässt sich hier nicht belegen“ einer unbelegten Gewissheit vor: keine Projektberechtigung heißt kein Zugriff; unbekannte Geltung wird nicht als gültige Geltung behandelt; unzureichend belegter abgeleiteter Kontext wird nicht zu Evidenz aufgewertet.

Der Zweck ist nicht, häufiger abzulehnen, sondern dass eine erfolgreiche Antwort mehr bedeutet als „das Modell hat plausiblen Text gefunden“.

Mehrere Speicher, eine Autorität

KritiGraph nutzt unterschiedliche Technologien für unterschiedliche Aufgaben: Wissensgraph, Vektorsuche, Objektspeicher, Ereignisse, Metadaten. Mehrere Speicher erzeugen für sich genommen keine zerfallende Architektur.

Kritisch wird es erst, wenn jeder Speicher seine eigene Identität, Zugriffssemantik, Klassifikation und Autorität erfindet. Genau diese Begriffe hält KritiGraph oberhalb der Speicher: Einheitlicher Kontext verlangt keine einheitliche physische Datenbank.

Geplant — keine Produktzusage

Zeitliche Geltung und Kontext-Zulässigkeit

Entschieden und in Arbeit, noch keine Produktzusage: Version und Importzeitpunkt sagen, welche Fassung wir verwendet haben und wann sie ins System kam — sie sagen nicht, für welchen fachlichen Zeitraum ein Inhalt Geltung beansprucht. Zielbild ist, dass Geltung erklärt wird statt aus Dateinamen oder Textstellen erschlossen, und dass unbekannte Geltung nicht als unbegrenzte Geltung gilt.

Für Stichtagsfragen — welche Regelung galt an einem bestimmten Tag — ist die Architektur entschieden, die Umsetzung steht aus. KritiGraph beantwortet solche Fragen heute nicht zeitlich abgesichert.

Zur selben Linie gehört die Zulässigkeit abgeleiteten Kontexts: Ein Prompt enthält mehr als die Quellen, die am Ende zitiert werden — auch Zusammenfassungen, Beziehungen und Gesprächsverlauf. Wer nur die Zitate prüft, prüft das Falsche. Zitierfähigkeit ist nicht Kontext-Zulässigkeit; die entschiedene Richtung ist, abgeleiteten Kontext auszuschließen, statt eine Herkunft anzunehmen, die sich nicht belegen lässt.

Heutige Grenze

Heutige Grenzen

Der Wissensgraph erschließt Zusammenhänge, die eine reine Ähnlichkeitssuche nicht findet. Eine Beziehung ist dabei nur so verlässlich wie die Identität ihrer Endpunkte — und die ist heute der normalisierte Name einer Entität. Gleichlautende Bezeichnungen werden dadurch zusammengeführt, auch wenn sie verschiedene Dinge meinen. Wie Identität und Zusammenführung künftig bestimmt werden, ist eine offene Architekturfrage; sie wird ausdrücklich als solche geführt und nicht nebenbei im Code entschieden.

Agentische Arbeitsweisen — mehrstufiges Nachfassen und Planen — sind in der Kontrollgrenze vorgesehen, im laufenden Betrieb aber abgeschaltet.

Zusagen zu diesem Thema

Die folgenden Zusagen sind aus der maschinenlesbaren Claim-Quelle auf diese Seite projiziert; ihren jeweiligen Stand führt die Nachweise-Seite.

Der Kernel hält den Zugriff — nicht das Modell.

Produktstand: In Betrieb · Details

Nachweisstatus: Noch nicht an die zentrale Assurance-Matrix angebunden.

Jeder Zugriff wird geprüft, bevor er wirksam wird.

Produktstand: In Betrieb · Details

Nachweisstatus: Noch nicht an die zentrale Assurance-Matrix angebunden.

Die Herkunft des genutzten Wissens ist nachvollziehbar.

Produktstand: Implementiert · Details

Nachweisstatus: Noch nicht an die zentrale Assurance-Matrix angebunden.

Wissen bleibt getrennt — Mandate vermischen sich nicht.

Produktstand: Implementiert · Details

Nachweisstatus: Noch nicht an die zentrale Assurance-Matrix angebunden.

Wissensartefakte sind inhaltlich unveränderlich und manipulationsresistent.

Produktstand: Implementiert · Details

Nachweisstatus: Noch nicht an die zentrale Assurance-Matrix angebunden.